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Der Mosesberg auf der Halbinsel Sinai

Verantwortlicher Autor: Teddy Meyers Ägypten, 31.10.2021, 13:46 Uhr
Presse-Ressort von: Teddy Meyers Bericht 5940x gelesen
Sinai Gebirge
Sinai Gebirge  Bild: Meyers

Ägypten [ENA] In Ägypten, im Süden der Halbinsel Sinai befindet sich der Berg Sinai, mit seinen 2285m einer der höchsten Berge in dieser Region. Aufgrund seines religösen Hintergrunds auch Mosesberg genannt, da Moses dort nach der heiligen Schrift die 10 Gebote empfangen hatte.

Nicht unweit des Fußes befindet sich das Katharinen Kloster mit dem Dornenbusch, in dem ihm der Herr in den Flammen erschien. Diese Region von Ägypten ist nicht nur auf Grund des biblischen Hintergrunds, sondern auch wegen der Besonderheit der unterschiedlichen Felsformationen und deren Farben eine Reise wert. Ein Highlight ist hier die nächtliche Besteigung des Berges Sinai, um den Sonnenaufgang von der Ruine des Bergklosters aus zu bewundern.

Mosesberg
Sonnenaufgang am Berg
Sonnenaufgang am Berg

Ich mache mich also morgens um kurz nach 1 Uhr auf den Weg zum Eingang des Parks, um noch einen Beduinenguide zu bekommen, ohne dem ein Aufstieg auf den Berg nicht erlaubt ist, kurz noch durch eine Sicherheitskontrolle und dann geht es auch schon los. Der erste Weg führt, noch beleuchtet, über ca. 900m auf einer gepflasterten Straße mit einer leichten Steigung vorbei an dem Katharinen Kloster. Kurz nach dem Kloster endet die Bepflasterung sowie auch die Beleuchtung und der eigentliche Aufstieg beginnt.

An der Seite des Weges befindet sich ein Wegpfeiler mit dem Hinweis: [Deine Reise zum Gipfel mit einer Höhe von 2285m ist 4,85km lang und besteht aus a) Trail 4,2km b) 750 zu erkletternde Stufen. Aktuelle Höhe 1570m.] nun heißt es also noch 715 Höhenmeter auf einer Strecke von fast 5km zu erklimmen. An der Seite stehen Kamele bereit, die einen für umgerechnet 10 Euro 2/3 der Strecke bis kurz vor die Stufen bringen würden, jedoch entscheide ich mich, den Berg mit eigener Muskelkraft zu bezwingen.

Pflasterstraße Richtung Kloster
Erster Teil des Weges
Vorderes Tal

Es geht nun also im Dunkeln weiter über eine noch recht moderate Sandpiste mit einigen größeren Steinen und immer wieder Abstufungen für den Wasserablauf im Weg, über die man gerne mal stolpert, da man die jeweilige Tiefe dieser im Dunkeln schlecht einschätzen kann. So zieht sich der Weg einen guten Kilometer, bis Dieser dann immer enger und steiler wird. Langsam merkt man auch den zu erklimmenden Höhenunterschied. Nach ca. 1/3 der Wegstrecke wird an einer kleinen Hütte erst mal Rast gemacht. Hier könnte man sich mit verschiedenen Snacks sowie heißen und kalten Getränken stärken, ich selbst begnüge mich mit einem im Rucksack mitgebrachten Getränk und ein paar Lebkuchen zur Stärkung, bevor es wieder weitergeht.

Ein Kameltreiber verfolgt mich seit Anfang des Weges, wohl in der Hoffnung das ich doch noch aufgebe und er ein Geschäft macht, jedoch stapfe ich, wenn auch inzwischen sichtlich erschöpft, weiter in Richtung Gipfel. Der Weg wird nun noch einmal steiler und die kurzen Verschnaufpausen werden immer öfter. Der Kameltreiber hat inzwischen aufgegeben und ist irgend wo an einer der letzen Hütten, die ich passierte, frustriert, das “der alte Mann” es wohl doch alleine schafft, stehengeblieben.

Der halbe Weg
Es wird steiler
Blick auf den Weg
Letztes Steilweg vor den Stufen
Felsdurchgang

Der Weg wird nach einem steilen Stück wieder flach und führt durch enge Felsen hindurch, bis ich endlich den Teil b) des Trails mit den Stufen erreiche. Hier noch ein kurzer Stopp und weiter geht es, mit voller Motivation die ersten Stufen hinauf. Nach gut 150 der ungleichen Stufen braucht es erst mal eine Pause. Weiter geht es mit 120 Stufen - Pause, dann 80 - Pause, man merkt das einem immer schneller die Luft ausgeht, was ich natürlich auf die dünne Luft hier oben in 2000m Höhe und nicht auf meine Kondition schiebe. Um kurz nach 5 Uhr und einem 3 Stunden Marsch, erreiche ich das Basislager welches noch ca. 100 Stufen vor dem Gipfel liegt. Da der Sonnenaufgang gegen 5:30 Uhr und es hier sehr kalt ist, verbringe ich die Zeit in der Hütte.

Stufen zum Gipfel
Hütte am Weg
Basislager
Der Gipfel

Kurz vor Sonnenaufgang geht es dann sichtlich ausgeruht die letzten Stufen zur Klosterruine am Gipfel des Sinai und ich genieße, mit gut 50 anderen Personen, die den Aufstieg auch hinter sich gebracht haben, einen herrlichen Sonnenaufgang mit einem Weitblick über das Wüstengebirge von Sinai und die angrenzenden Berge. Ich verweile eine gute halbe Stunde auf dem Gipfel bis der Abstieg beginnt. Die Berge sind nun vom Morgenrot und der aufgehenden Sonne in ein so herrliches Licht getaucht, dass die Bilder, die ich beim Abstieg mache, schon fast kitschig und wie mit Photoshop bearbeitet wirken.

Der Abstieg dauer ungefähr 2 1/2 Stunden, und was man vorher am Gifel gefroren hat, treibt einem nun die aufgehende Sonne von Minute zu Minute mehr den Schweiß auf die Stirn und gegen Ende ist die Temperatur inzwischen auch schon auf 27 Grad gestiegen und ich bin froh als ich nach insgesamt fast 12 Kilometern Wanderung den Parkplatz mit dem Abholer erreiche, der mich zu einem verdienten Frühstück zurück zum Hotel bringt.

Eindrücke am Weg
Blick nach Unten

Mein Fazit: Ein wenn auch anstrengender, jedoch wirklich lohnender Trip den, ich nur empfehlen kann und nicht missen möchte. Wer Bedenken bezüglich der Kondition hat, dem empfele ich jedoch, das Angebot des Transport mit einem Kamel wahrzunehmen, da der Auftieg über die Stufen einen durchaus an die Grenzen bringen kann.

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